Fauser-Emmi-Kaufhaus

Als ich auf der Home-Page das alte Foto der Neckartenzlinger Straße sah, auf dem das Haus der "Fauser Emmi" abgebildet ist, fiel mir eine Geschichte ein und ich musste lachen...

Ich selbst war zu dieser Zeit erst 4 Jahre alt und kann mich nur noch blass erinnern, aber meine Mutter erzählt sie bis heute gerne bei Familienfesten:

Wir, das sind meine Eltern und mein 1 Jahre älterer Bruder Frank, haben 1963 in der damaligen Beethovenstraße (heute Uracher Straße) unser neues Haus bezogen. Wir hatten bis dahin in Stuttgart gewohnt und waren entsprechend "städtisch"...
Es gab damals bereits große Kaufhäuser mit Rolltreppen, die Frank und ich spielend eroberten. Mehrspurige, ampelgesteuerte Straßen gehörten für uns zum Alltag. Das Landleben jedoch war uns Kindern fremd. Noch heute schaudert es mich, wenn ich an die Särge denke, die von Nagel-Gottlobs kräftigen Pferden auf einer Kutsche mit Baldachin und schweren dunkelroten Samtvorhängen zum Friedhof gefahren wurden. Oder die furchterregenden Truthähne auf meinem Schulweg! Obwohl diese eingezäunt waren, fürchtete ich mich derart, dass ich vor dem Zaun anhielt, Anlauf nahm und so schnell ich konnte an dem Gatter vorbei raste. Auch deshalb, weil man mir erzählt hatte, dass Truthähne alles Rotfarbige "angreifen" würden....
Ich trug übrigens sehr lange ein schickes rotes Mäntelchen!

In dieser Anfangszeit ging nun unsere Mutter mit uns Kindern zur "Fauser Emmi" in der Neckartenzlinger Straße. Treppe hoch, links und gleich wieder links, durch die Küche mit dem Ofen, daneben ein Hundekörbchen mit einem dicken Dackel und erst danach waren wir in einem winzig kleinen Laden. Eine schier unglaubliche Pracht an Farben, Stoffen, Wolle, Kurzwaren, Krimskrams und Töpfchen, gestapelt bis unter die Decke, tat sich uns auf. Ein Geruch von altem Stoff, Süßigkeiten, Seifen und Gemüsesuppe hing in der Luft. Hinter dem Ladentisch eine alte Dame mit weißen Haaren, krummen Fingern und fast genauso groß wie wir Kinder. Wir waren begeistert! Wir konnten uns nicht satt sehen. Als unsere Mutter ihre Einkäufe erledigt hatte, durften wir Kinder aus einem offen auf dem Ladentisch stehenden Topf ein süßes Gummi-Cola-Fläschle nehmen. Unserer Mutter hatte es aus hygienischen Gründen zwar gegraust, sie konnte den Griff in den Topf aber nicht mehr verhindern. Kaum waren wir wieder draußen auf der Treppe, haben Frank und ich mit großen, leuchtenden Augen wohl gefragt: "Mama, wann gehen wir mal wieder in dieses Kaufhaus?"
Keine Rolltreppe, kein Stuttgarter Kaufhaus konnte uns derart erfreuen, wie ein Besuch im "Fauser-Emmi-Kaufhaus"... Das blieb auch so, bis Frau Fauser ihren Laden verlegen musste und einen neuen gegenüber dem Milchhäusle eröffnete. Der war zwar auch schön, aber es war halt kein "Kaufhaus" mehr...

Ellen Idler geb. Eberle

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