Dreschen - einst

????: Familie Gerhard Müllerschön beim mähdreschen

????: Familie Gerhard Müllerschön beim mähdreschen

Vorher mussten die Äcker oder auch nur der Hackteil bestellt werden. Man wollte selbst Frucht auf der Bühne haben. Viele hatten kein eigenes Zugvieh, sie mussten einen Landwirt, der etwas dazu verdienen wollte, beauftragen, das Feld zu bestellen. Der tat das mit seinem Kuhgespann, mit Pferd und Kuh, Pferd allein oder mit Pferdegespann. Mit abgezirkelten Schritten streute er möglichst gleichmäßig die Körner aus seinem umgehängten Sack auf den vorbereiteten Acker.

Alles Weitere war nun Eigenarbeit. zunächst das Distelstechen. Voller Sorge ob nicht ein Gewittersturm die Frucht hinwalze. Hagelschlag die Ähren zerfetze, begleitete man das Heranreifen. Mit Glockengeläute und Hagelabwehrraketen glaubte man Unheil abwenden zu können. Wenn die Körner hart genug gereift waren, musste alles bei der Ernte helfen. Mit dem Flügel schnitt der Schnitter das Getreide. Die anderen legten weg. Je älter die Frauen, desto penibler mussten die Reihen liegen, kein Halm durfte über den Arsch hinausstehen, man hätte sich sonst schämen müssen. Anderntags wurde um 10 Uhr gewendet, bald darauf angehäufelt, dann gebunden. Meist ein Kind legte die Garbenseile, andere legten dem Binder auf; noch eins, noch eins, aus welchem Grund auch immer, die Garben mussten schwer sein. Nicht selten kam dabei Hektik auf. Sei es, dass der Fuhrmann bald komme, umgekehrt er nicht herging und ein Gewitter am Himmel stand. Geladen hat meist der Fuhrmann. Jemand musste vor dem Vieh stehen und die Bremsen abwehren, darunter die großen Rossbremsen, die es kaum mehr gibt.

Je nach Größe des Ackers wuchs der Wagen Glegg um GIegg, die schweren Garben mussten immer höher gestemmt werden. Manche Ladekünstler luden Kisten. dass auf dem vorsorglich mitgebrachten zweiten Wagen gerade noch die Nachrechete und das Geschirr war. Diese Ungetüme mussten beim Ausfahren aus dem Acker dann kräftig mit Gabeln von mehreren Leuten g'steuberet werden. dass sie nicht umkippten, was trotzdem immer wieder vorkam und dann ein Fleckagespräch gab. Diese großen Kaliber fuhren in der Regel in die Scheune, die Dreschmaschine kam dort winters ins Haus. Wo sich das nicht lohnte, musste man sich vom Drescher einen Termin geben lassen. Oftmals kam man mitten in der Nacht dran. Der Wagen musste so lange untergestellt werden. So brauchte man nochmals einen Zug, wobei aber auch gerne ausgeholfen wurde. Zur Dreschmaschine wurde vollends geschoben. der Drescher ging vorsichtshalber selbst an die Deichsel. Es ging streng zu. Zwei Personen auf die Maschine, eine auf dem Wagen, ein wichtiger Posten war bei den Säcken. Es musste immer schön gleichmäßig eingegeben werden, wenn die Maschine brummte, gab es einen Rüffel vom Drescher. Die Schäube mussten schnell weggetragen werden, der Nächste wartete schon. War man fertig wurden schnell die vollen Säcke unten in den Wagen gelegt, dieser zum Strohhaufen geschoben und aufgeladen. Heimzu ging es zunächst ohne Zug leicht bergab. Wenn der an der Deichsel mit einem Vorderrad irgendwo anstieß, bekam er eine geschmiert oder es riß ihm gar die Deichsel aus der Hand. Es musste unverzüglich abgeladen werden. Hatte man nach so viel Aufwand die verhältnismäßig geringe Ausbeute endlich auf der Bühne. war man glücklich, man hatte für das tägliche Brot vorgesorgt. Auch die Katzen und Mäuse freuten sich, die Katzen konnten gleich dazu an Ort und Stelle ihre Sch... darin verscharren. Es war Sommer und staubig war man auch, da ging man manchmal mitten in der Nacht an den Neckar baden, z.B. am Nonnenwasen, der war gleich unter dem Dreschschuppen, da hätten die Nonnen oft ihre Augen verdecken müssen.

Zu den größeren Landwirten kam winters die Dreschmaschine ins Haus. Das war eine Aktion. War der Tennenboden uneben, musste die Maschine mit der Winde ins Wasser gestellt werden. Auch brauchte man genügend Helfer. Die Hausfrau war gefordert, sie hatte die Stube voll, sie musste die Mannschaft mit Speis und Trank versorgen, mal reichlich. mal weniger. Da soll manchmal eine Daube eines großen Mostfasses hinuntergetrunken worden sein. Das Umsetzen der Maschine war heikel, weil das Gerumpel und der große Kasten die Pferde nervös machten. Des Müller Thedels wohlgenährten Pferde gingen einmal durch, die Hofstatt hinunter und erst in Zehntrechners Hof mit Scheunentorberührung kamen sie zum Stehen. Das hätte für Menschen. Tiere und Maschine böse ausgehen können. Da gab es ein Rennen und Schreien und bleiche Gesichter und weiche Knie. Sowohl für den Säger (außer der Dreschmaschine hatte der auch eine fahrbare Holzsäge), als auch für den Thedel stand viel auf dem Spiel. Ganz zu schweigen von Unbeteiligten. Übrigens sorgten durchgehende Gespanne immer mal wieder für Unfälle und Aufregungen.

Quelle: unbekannt

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