Robinsonade

1968: Wehr am Neckar

1968: Wehr am Neckar

Mit schweren Gummistiefeln angetan, hatten sich am Samstag, dem 13. Dezember 1958, um die Mittagszeit, als der Neckar noch ruhig dahinplätscherte, quer durchs Wasser hindurch 2 Angler zum sogenannten »Kiesrücken«, einer kleinen Insel im Neckarbett, begeben, ihre Angel ausgeworfen und in aller Ruhe Fischlein um Fischlein aus dem Neckar herausgeholt. Sie waren durch ihr Tun so von allem Geschehen abgerückt, daß sie gar nicht merkten, wie im Laufe des Nachmittags durch die anhaltenden Regenfälle der Neckar immer höher und höher stieg und schließlich die Gestade des Inselchens immer enger umspülte. Der Neckar hatte sich allmählich in einen reißenden Fluß verwandelt. Und als die beiden wackeren Angler nun versuchten, wieder an das rettende Land zurückzukehren, war er bereits so hochgestiegen, daß sie nicht mehr zurückkehren konnten. Vom anderen Ufer aus wagte man es auch nicht mehr, den Jüngern Petri mit einem Nachen zu Hilfe zu kommen, so daß sie schließlich als einsame »Robinsone« auf ihrem Eiland abgeschnitten blieben.

Inzwischen war es Nacht geworden. Der Neckar stieg weiter an. Eine Verständigung mit den Leuten drüben auf der Straße war nicht möglich, weil ein zu starker Wind wehte. Doch hatte man von dort aus gemerkt, in welche Verlegenheit die beiden Forellenfänger geraten waren. Man mußte sich kurz entschließen.

Es gab nur eins: Die Feuerwehr in Reutlingen alarmieren, die den Bedrängten vielleicht zu Hilfe kommen konnte. Diese rückte mit einer großen Drehleiter an und fuhr sie gegen das Inselchen aus. Ein Feuerwehrmann stieg nach oben und versuchte von dort, den »Fischern« Seil und Gurte zuzuwerfen, was nach einigen vergeblichen Versuchen schließlich auch gelang. Kaum hatte sich der erste der beiden »Schiffbrüchigen« angeseilt, als von drüben durch Lautsprecher das Zeichen kam: »Jetzt gehts los!« Die Leiter wurde gedreht, und der Mann plumpste ins Wasser, wurde wieder hochgezogen und schließlich mit vereinten Anstrengungen zum rettenden Ufer herübergedreht. In ähnlicher Weise gelang es anschließend, auch den zweiten Angler von der Insel herüberzuholen.

Für den Spott brauchten unsere beiden Angler nicht mehr zu sorgen.

Quelle: Mittelstadt in Vergangenheit und Gegenwart mit Beiträgen von Fritz Flach, Dr. Artur Röhm, Gudrun Schrägle und Konrad Steinmaier

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