Sommer am Neckar

1930: Badespaß am Neckar

1930: Badespaß am Neckar

Das Schönste am Sommer waren die warmen Tage an denen man im Neckar baden konnte. Der Badeplatz in der "Schütte' wurde sehr gerne angenommen. Auf der gegenüber gelegenen Pliezhäuser Seite dasselbe muntere Treiben. Auf der Mittelstädter Seite waren die "Gansfüsse", auf der Pliezhüuser Seite die "Sandsäcke". Mitte Neckar war die Grenze, die man immer einhalten mußte und so beschimpfte man sich halt gegenseitig.

Die Mittelstädter waren etwas fortschrittlicher, denn an der steilen Uferböschung war eine Holztreppe und ca. 40 Meter unterhalb eine zweite. Das Wasser ging uns etwa bis zum Bauch.

Ein schöner Zeitvertreib war immer auch das Spiel: Man stellte sich im Kreis im Wasser händehaltend auf und sang: Die Tiroler sind lustig, die Tiroler liegen sind froh, sie verkaufen ihre Federn und liegen auf Stroh. ... Am Schluß des Liedes tauchte man unter husten und prusten wieder auf. Zum Trocknen legte man sich auf die Wiese. Zuvor aber bewaffnete man sich mit einem belaubten Zweig zum Abwehren von Mücken, Schnaken und Bremsen. Die Mädchen lösten ihre Zöpfe auf und trockneten ihre nassen Haare in der Sonne.

Auch im Ort, am Neckarkanal der Mühle bzw. Elektrizitätswerk herrschte reger Badebetrieb. Das Bild zeigt die Kanalmauer mit der Stellfalle, wo die geübten Schwimmer sich aufhielten. An der seitlichen Mauer befindet sich (auch heute noch) eine Fischtreppe. In deren 5 oder 6 Treppenstufen konnte man nach Herzenslust planschen und sich von den Wasserstrahlen berieseln lassen.

Dann war (und ist noch heute) das Wehr im Anschluß an die Kanalmauer. Hier war die Wassertiefe geeignet zum Schwimmenlernen. Als Schwimmhilfen benützte man gerne aufgeblasene Fahrrad- oder Autoschläuche. Eine sehr begehrte Schwimmhilfe waren auch Schwimmgürtel. Das sind Korkteile etwa 15 x 8 x 5 cm an einer Schnur befestigt, die um Brust und Rücken gebunden einen Menschen sicher tragen können. Leider waren nur wenige Privilegierte Besitzer eines solchen heißbegehrten Teiles. Weniger angenehm waren die kleinen Blutsauger, die sich den Badenden im Wasser an den Körper hefteten.

Dann gab und gibt sie heute noch, die Schafskälte. Das ist ein Kälterückfall zwischen dem 10. und 20. Juni. Ebenso die Hundstage, das ist die heißeste Zeit von Ende Juli bis Ende August. Während Letzterer können sich beim Baden "Hundsblasen" am Körper bilden.

Zum Umziehen ging man ins Gebüsch, Wertsachen wie Schmuck hatte man sowieso zum Baden nicht dabei, auch keine Armbanduhr, denn die Kirchturmuhr zeigte an wenn es Zeit war nach Hause zu gehen. Ein beliebtes Spiel war auch: In gebückter Haltung flache Kieselsteine vom Ufer aus so übers Wasser werfen, dass der Stein hüpfend und möglichst viele Kreise bildend, untergeht.

Ein weiterer Badeplatz war bei der alten Neckarbrücke den "Ledigen" vorbehalten. Von wegen Bikini, die weiblichen gingen im Kleiderschutz (vom Hals bis unters Knie) ins Wasser. Zu berichten wäre noch, dass sonntagmorgens die Bauern ihre Ackergäule in den Neckar ritten. Versehen mit Eimer, Bürste und Striegel verschafften die Besitzer oder angeheuerte junge Burschen den verschwitzten Gäulen eine willkommene Erfrischung. Sichtlich erleichtert trabten sie nach dem Bad den Gieß hinauf heim in ihren Stall.

Die Schafwäsche im Neckar war jedes Frühjahr ein besonderes Ereignis. Vor der Schur ist es nötig und wichtig, den gröbsten Schmutz aus dem Fell zu waschen. Zu diesem Zweck baute man einen Steg im Wasser am Neckarufer. Die Tiere wurden einzeln ins Wasser bugsiert (geschuckt), wo sie von den Männern tüchtig gerubbelt und geschrubbt wurden. Danach kamen die Schafe in den Stall zum Trocknen.

Der Natur—Abenteuerspielplatz "Kiesrucken" zieht wie eh und je die Dorfjugend an, vorausgesetzt ein reinigendes Hochwasser hat die Tümpel ausgewaschen und die Sanddünen freigelegt. Zuweilen entdeckt man interessantes Strandgut. Zum Sommer am Neckar gehörte in den 40er Jahren euch das Nachen fahren. Auf der Häuserseite der Neckarstraße war ein Holzsteg befestigt, daran waren 5 bis 6 Ruderboote mit Ketten angebunden. Diese Boote konnte man stundenweise mieten. Die Benützer mussten einige notwendige Bedingungen einhalten: Fahrt auf eigene Gefahr, im Boot nicht schaukeln, kein Platzwechsel während der Fahrt. Mit Nr. 4 Zum Schluß noch eine Ermahnung wie man sie immer wieder hören kann wenn Kinder an den Neckar gehen: "Geh ja nicht zu nahe ans Wasser sonst zieht dich der "Hoga—Maa" (Hakenmann III) hinein.

Wenn die Badezeit vorbei ist gehört der Neckar wieder den Enten, Gänsen und Schwänen.

Quelle: unbekannt

1969: Abkühlung für Roß und Reiter im Neckar

1969: Abkühlung für Roß und Reiter im Neckar

1969 Abkühlung für Roß und Reiter im Neckar, Gerhard Müllerschön und Werner Oswald (Quelle: Manfred Knecht)

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