Gott zur Ehr – dem nächsten zur Wehr

Die erste Nachricht von einer Feuerwehr in Mittelstadt erhalten wir aus dem Jahre 1728. Damals besaß unsere Gemeinde zusammen mit Riederich und Bempflingen eine »Feuerspritze«. Sie war in Riederich stationiert. Um i800 war das auch noch so. Brannte es, so ritten »Feuerreiter« von Ort zu Ort, um die »Rettmannschaften« zu alarmieren. Vor die fahrbare »Feuerspritze« wurden 4 Pferde gespannt, die dann mitsamt der Begleitmannschaft zur Brandstätte »rasten«.

Bis zum Eintreffen der Spritze konnte aber viel Zeit verstreichen. Darum verpflichtete die Gemeinde jeden Bürger »in der Qualität als Bürger«, einen »Feuereimer« bereit zu haben, mit dem er zur -Brandstelle zu eilen hatte. (1811: »Maurer und Zimmer-leute haben gleich anderen Bürgern einen Feuereimer anzuschaffen.«) Von der nächst-gelegenen Wasserstelle bis zum brennenden Haus wurde durch die helfenden Bürger eine »Händekette« gebildet, durch die die gefüllten »Feuereimer« gereicht wurden. 1847 gab es in Mittelstadt schon eine organisierte »Rettmannsdiaft«. Sie erhielt zur Kenntlichmachung von der Gemeinde ein weißes Armband und eine besondere Mütze. 1865, nach der großen Brandkatastrophe im Zehnthof, beschloss der Gemeinde-rat, die Einwohnerschaft namentlich in »Rotten« einzuteilen, um dadurch künftigen Bränden in organisierter Form begegnen zu können. Damals besaß Mittelstadt schon eine eigene »Feuerspritze«. Sie wurde zweimal im Jahr jeweils nach den Bürgerversammlungen auf ihren Zustand hin von Schultheiß und Gemeinderäten durch eine Spritzprobe geprüft.

Feuerwehrdienst war in jener Zeit Bürgerpflicht. Erst 1877 wurden unter den Männern der Pflichtfeuerwehr Stimmen laut, doch eine freiwillige Feuerwehr zu gründen. 1878 konnte sich das »bürgerliche Kollegium« endlich dazu entschließen, hierfür Geldmittel bereitzustellen. Die Freiwillige Feuerwehr Mittelstadt war damit geboren; allerdings gab es erst nur einen Zug freiwilliger Feuerwehrmänner. Im selben Jahr kaufte die Gemeinde eine neue Saugfeuerspritze.

Im Jahre 191o, als in Mittelstadt die Wasserleitung fertiggestellt war, »gründete der neue Kommandant Wilhelm Veit eine ganze freiwillige Wehr, welche laut Beschluss des bürgerlichen Kollegiums mit einem schwarzen, einheitlichen Rock eingekleidet wurde«, der nach 6 Jahren Dienstzeit in das Eigentum des betreffenden Wehrmannes überging. Die Wehr hatte damals io8 Mitglieder. Jeder neueintretende Mann musste 1 Mark »Eintrittsgeld« bezahlen und ferner monatlich 10 Pfenning Mitgliedsbeitrag entrichten. Wöchentlich fanden Übungen statt; an ihnen durfte kein Mitglied ohne hinreichenden Grund fehlen, er lief sonst Gefahr, mit Ausschluss aus der Wehr bestraft zu werden. Zum »Stab« der ersten örtlichen freiwilligen Feuerwehr gehörten 1911:

Wilhelm Veit, Kommandant;

Fritz Schlotterbeck, z. Hornist;

Ludwig Knecht, Stellvertreter;

Karl Wurst, Tambour.

Wilhelm Wurster, 1. Hornist;

Der Name Tambour (=Führer und Ausbilder der Spielleute) zeigt, dass die Feuerwehr auch auf Repräsentation Wert legte. Sie besaß durchaus auch ihre »Schauseite«. Die meisten Mitglieder des Musikvereins gehörten übrigens auch gleichzeitig der Feuerwehr an. Nach einem Protokoll vom Jahre 1933 beteiligten sich am 75jährigen Jubiläum der Uracher Feuerwehr »Die Wehr Mittelstadt mit zirka 8o Mann ein-schließlich Musik und Spielleuten«.

Zur Ausrüstung der Feuerwehr zählten 2 vierräderige »Feuerspritzen« und Y Trag-spritze, dazu kamen die üblichen Gerätschaften, unter anderem auch noch 29 »Feuereimer«. Diese Spritzen hatten alle noch Handpumpen, die natürlich einen geringen Wirkungsgrad besaßen.

Erst im November 1944 erhielt die Mittelstädter Feuerwehr eine Kleinmotorspritze, eine TS 8 mit einer Leistung von 800 l/min. Bei Großbränden in Reutlingen und im eigenen Ort hat sich dieses Feuerlöschgerät außerordentlich gut bewährt. 1958 wurde dieses Gerät im Protokollbuch allerdings mehrmals als sehr launisch und deshalb als unsicher bezeichnet, so daß die Anschaffung einer anderen Motorspritze dringend notwendig wurde. Am 23. 12. 1958 war es dann endlich auch so weit: Ein neues, rot lackiertes Ziegler-T. S. F.-Löschfahrzeug fuhr mit Martinshorn und Blaulicht vorm Rathaus vor. Am 10. 1. 1959 wurde es von Bürgermeister Steinmaier und dem Gemeinderat der angetretenen Feuerwehr offiziell übergeben. Ein lang gehegter Wunsch ging in Erfüllung. Dieses Löschgerät, das heute noch in Betrieb ist, hat eine Leistung von ebenfalls 800 1/min.

Die freiwillige Feuerwehr: In der Mitte der ersten Reihe Kommandant Haug, neben ihm Bürgermeister Steinmaier (Foto: Handel)

Brände:

1634: Nach der Schlacht bei Nördlingen verheerten die Schweden und die Kaiserlichen unsere Gegend. Mehr als 5o Häuser wurden in unserem Flecken (wahrscheinlich durch Brand) zerstört.

1847: Am 2. Oktober brennt der »Hirsch« samt der Scheuer völlig ab.

1865: Am 4. September entsteht im Bereich des »Zehnthofes« ein Brand, der in kurzer Zeit auf 7 weitere Häuser übergreift und sie zerstört. Da das Wasser knapp ist, versuchen die Menschen das Feuer mit Gülle zu löschen.

1914: Am 14. Juni brennt die Mühle völlig ab. Nur das E-Werk kann gerettet werden.

1915: Am 16. August werden Georg Röhms Scheuer und Stall (neben der »Schwane«) samt dem eingebrachten Getreide und Heu ein Raub der Flammen.

1925: Das Schulhaus im Lodenberg geht am späten Abend des 6. August infolge Brandstiftung in Flammen auf.

1926: Brand einer Feldscheuer. Die Wehr versucht, bei grimmiger Kälte zu löschen (26. Januar!) Die Schlauchleitungen frieren jedoch bald ein.

1945: Am i. März wird Reutlingen durch einen schweren Bombenangriff heim-gesucht. Nachmittags um 14.30 Uhr wird die hiesige Kleinmotor-Spritze alarmiert und nach Reutlingen gerufen. Der untere Stadtteil ist ein Rauch- und Feuermeer. Der Einsatz der Spritze unter Leitung des Hauptwachtmeisters Röhm klappt tadellos und ist überall von Erfolg begleitet. Brandobjekte: Bismarck- und Kaiserstraße, Tabakgroßhandlung Scholl, Arbeitsamt, Hoch-und Tiefbauamt, Katholische Kirche, Pfarrhaus, Ebenezerkapelle und Firma Kohllöffel.

1945: Am Freitag, zo. April, nachmittags 14.15 Uhr, wird das Haus Hofstatt-straße 15 (Otto Röhm) durch eine französische Panzerabteilung in Brand geschossen und brennt bis auf die Parterre-Wohnung nieder, desgleichen werden die Häuser Goethestraße 13 (Karl Lutz) und Bergsteigstraße 10 (Wartmann) durch Brandgranaten zerstört.

1945: Am 21. April vormittags 10.15 Uhr erfolgte der z. Panzerangriff, wodurch die Scheuer und Stallung der Maria Kiefner, Lodenbergstraße 14, durch Beschuss in Brand geraten. Um 10.3o Uhr schlagen Panzergranaten in die Zehntscheuer ein und setzen sie in Brand, so daß das Gebäude bis auf die Grundmauern niederbrennt.

1950: Am 21. September, morgens 5.30 Uhr ertönt die Alarmsirene: die Mühle brennt. Neben dem Mittelstädter Löschzug sind bald auch die Wehren von Metzingen, Reutlingen, Urach, Pfullingen, Pliezhausen und Nürtingen zur Stelle. Aus io B-Rohren und 20 C-Rohren schießt das Wasser in die Glut. 4 Stunden später ist der Brand gelöscht; die Getreidemühle ist zwar bis auf die Grundmauern zerstört, die angrenzenden Gebäude können jedoch gerettet werden.

1953: 19. April, ein Dachstockbrand im Gasthaus »Lamm« kann durch energisches Eingreifen der Feuerwehr eingedämmt werden.

1953: Am Samstag, 7.11., vormittags 10.30 Uhr, stehen die Anwesen von Albert und Gottlob Knecht im Zehnthof in Flammen. Für die TS 8 ist im Ortsnetz zu wenig Wasser, die auswärtigen Motor-Wehren holen Wasser aus dem Neckar.

1954 : Flächenbrand in der Schütte

1964: Am z. Juni gegen 19 Uhr brennt der Dachstuhl des Wohnhauses der Gärtnerei Schnitzer. Durch rasches Eingreifen der Feuerwehr kann Schlimmeres verhütet werden.

1965: Am 9. April, morgens um 7.4o Uhr, brennt die Scheuer von Kaufmann Schlotterbeck, Hindenburgstraße. Die Feuerwehr kann jedoch nach kurzer Zeit den Brand unter Kontrolle bringen.

Eine Reihe von Bränden, deren Ort im Protokollbuch nicht genau bezeichnet wurde, ist hier nicht erwähnt.

Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Mittelstadt:

1877: Georg Wurst

1892: Bernhard Oswald

1911: Wilhelm Veit

1919: Gottlob Wurster

1935: Hermann Knecht

1944: Gottlob Röhrst

1946: Wilhelm Henzler

1957: Jakob Haug

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