Fußball-Club Mittelstadt e. V.

Schon im Jahre 1811 legte »Turnvater« Mim in der Berliner Hasenheide den ersten Turnplatz an. An zahlreichen anderen Orten des Reiches entstanden bald ähnliche Plätze, die dann aber seltsamerweise von allen deutschen Landesregierungen in den Jahren 1819-1842 geschlossen wurden. Die Idee jedoch lebte weiter, und so schossen, nachdem das Verbot aufgehoben worden war, an allen größeren Orten Turnvereine förmlich aus dem Boden. Das Verständnis für Leibesübungen war in der aufgeschlossenen städtischen Bevölkerung naturgemäß größer als auf den Dörfern.

Doch 1896 konnte schließlich auch in Mittelstadt ein Turnverein gegründet werden, zu dessen erstem Vorsitzenden der Kaufmann Christian Widmann gewählt wurde. Die Anfänge dieses jungen Vereins waren klein und schwer, und nur der unermüdlichen Arbeit und dem beispiellosen Idealismus seiner Mitglieder ist es zu verdanken, daß er überhaupt am Leben blieb. In unzähligen Arbeitsstunden wurde von ihnen im Steinhäldle am jetzigen Hardtwegle das heute sogenannte »kleine Turnplätzle« geschaffen, eine Mühe, die nur der zu würdigen weiß, der den vorigen Zustand dieses ehemaligen Steinbruchgeländes gekannt hat.

Auf diesem Platz traf sich die turnbegeisterte Jugend, die sich nicht scheute, an den langen Winterabenden bei Laternenlicht in zugigen und kalten Scheunen ihre Turnstunden abzuhalten.

Großen Auftrieb erhielt der kleine Verein durch einen Turner aus Neckartenzlingen, der den Mittelstädtern die ersten turnerischen Begriffe vermittelte. Mit dem Beitritt zum .Achalmgau gelangte dann das Turnen bei uns in geregelte Bahnen. Vor allem war es von nun an möglich, in Reutlingen bei Vorturnstunden spezielle Kenntnisse zu erwerben. Kraftwagen und Fahrräder gab es natürlich damals noch nicht, und so mußte der zehn Kilometer lange Weg nach Reutlingen und wieder zurück — zweimal zwei Stunden — eben zu Fuß zurückgelegt werden. Doch dieser für uns Heutige unvorstellbare Idealismus wurde schließlich doch auch belohnt: Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts konnten unsere Mittelstädter Turner schon am Gauturnfest teilnehmen, ein Höhepunkt im Leben jener Sportler.

Fußball war allerdings damals in Mittelstadt so gut wie nicht bekannt. Eine Sportart, die gegen so viele Widerstände anzukämpfen hatte, konnte sich nur sehr schwer durchsetzen. Sie hatte alle und alles gegen sich: Behörden, Polizei, Lehrer und Eltern. Wer Fußball spielte, wurde geschmäht, gescholten oder bekam gar Prügel. Fußball galt als ordinär und war verpönt. Wer Sport treiben wollte, turnte.

Aber die Zeit wandelte sich, neue Sportarten gesellten sich zu den bisher geübten, die Jugend sympathisierte mehr und mehr mit dem Fußball. Sie war es _auch, die im Februar 1913 die Abänderung des bisherigen guten, alten Vereinsnamens in »Freier Arbeiter-, Turn- und Sportverein« erzwang.

FC Mittelstad r. Obere Reihe von links nach rechts: Helmut Doster, Manfred Armbruster, Willi Höllwarth, Armin Lipp, Heini Franz, Rudi Kimmerle, Rolf Müller, Helmut Baumer, Erwin Armbruster, Eckhard Maske, Rudi Lipp, Erwin Jesch fehlt (Beinbruch). Mittlere Reihe von links nach rechts: stellv. Spielleiter Gustav Rebmann, Abtl.-Ltr. f. Tischtennis Eugen Abel, Hermann Knecht, Herbert Bader, Ernst Härter, Erich Fauser, Peter Wendig, Rainer Dold, Josef Loydl, Jakob Pelz, Horst Jahn, Schiedsrichter Kurt Röhm. Untere Reihe von links nach rechts: Ahd.- Leiter'f. Leichtathl. Richard Röhm, Abtl.-Leiter f. Fußball und Trainer Walter Röhm, 1. Beisitzer Rudolf Kimmerle, 2. Vorsitzender und Geschäftsführer Hans Bader, Ehrenvorsitzender Adolf .Mayer, z. Vorsitzender Willi Vöhringer, Hauptkassier Heinz Galler, 3. Beisitzer Otto Stückle, Abt1.-Leher f. Turnen Hans Kautt, Schriftführer Rolf Armbruster, z. Beisitzer Manfred Kimmerle. (Foto Näher)

Nach dem ersten Weltkrieg, der lähmend auf jegliche Vereinsarbeit gewirkt hatte, wurde anfangs der Zwanzigerjahre das Turnen wieder aufgenommen. Etwa zur gleichen Zeit entstand innerhalb des Vereins die Fußballabteilung. Im selben Jahr fand auch die Fahnenweihe statt. 1924 wurde auf dem Auchtert-Sportplatz das Bezirkssportfest durchgeführt — ein großes Erlebnis für alle Beteiligten. Um 1925 konnte der Verein auch ein kleines Sporthaus auf dem Auchtert errichten, ein großer Wunsch der Sportler war damit in Erfüllung gegangen.

Vom Januar 1926 an gab es dann in Mittelstadt zwei Sportvereine, denn fußballbegeisterte Männer unseres Ortes gründeten in jenem Monat den Fußball-Club Mittelstadt. Fünf Jahre nach der Gründung erstellte dieser Verein auf dem Auchtert-Sportplatz ein für damalige Verhältnisse beachtliches Clubhaus, das ein Jahr später, 1932, eingeweiht werden konnte. Im selben Jahr schaffte die Fußballmannschaft den Aufstieg in die A-Klasse—ein großer sportlicher Erfolg des noch jungen FCM. 1933 wurde das sportliche Leben in Mittelstadt um ein Wesentliches ärmer, als von den Nationalsozialisten der traditionsreiche »Arbeiter-, Turn- und Sportverein« verboten wurde, ein bedauerliches Unrecht, das nur von den damaligen politischen Verhältnissen her zu verstehen ist. Ungewollter Nutznießer jenes unsinnigen Verbotes wurde naturgemäß der FCM, denn die nun heimatlosen Sportler des Turn- und Sportvereins ließen sich zum großen Teil bei ihm eintragen, um wenigstens weiterhin Sport treiben zu können. Für den FCM jedoch ging das Leben weiter. 1935 gelang der für unsere dörflichen Verhältnisse sensationell anmutende Aufstieg in die Bezirksklasse. Im August desselben Jahres wurde im Rahmen einer sportlichen Großveranstaltung auch die Fahnenweihe vorgenommen. Mit wechselnden Erfolgen ging es dann jenem Tag entgegen, der infolge des inzwischen begonnenen zweiten Weltkrieges der weiteren sportlichen Betätigung in Mittelstadt ein vorläufiges Ende setzte: Vom 17. Dezember 1939 an wurde es für sechs Jahre sehr still um den FCM. 32 Vereinsmitglieder kehrten aus diesem schrecklichen Krieg nicht mehr in ihre Heimat zurück, 26 davon sind gefallen, sechs vermißt.

Es war nicht leicht, nach diesem sinnlosen Aderlaß wieder Männer zu finden, die bereit waren, den FCM erneut ins Leben zu rufen. Dennoch konnte am 11. November 1945 der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden, allerdings infolge gewisser Bestimmungen der französischen Besatzungsmacht unter der vorläufigen Bezeichnung »Sportverein Mittelstadt«.

Am 28. Juli 1951 erhielt der Verein schließlich wieder seinen alten Namen »Fußball-Club Mittelstadt«. Damit begann auch die Zeit der großen Erfolge. Vorsitzende des Vereins wurden wieder Adolf Mayer und Erwin Röhm, bewährte Persönlichkeiten, die den FCM schon in den Dreißigerjahren geführt hatten. Der Fußball-Club hat diesen beiden Männern viel zu danken.

1953 wurde dann, etwas verspätet, das fünfundzwanzigjährige Jubiläum gefeiert; im selben Jahr gelang der Fußballmannschaft auch der glanzvolle Aufstieg in die II. Amateurliga. Damit besserten sich auch die finanziellen Verhältnisse, zumal von nun an das Clubhaus selbständig bewirtschaftet wurde. Jetzt konnte auch daran gedacht werden, die Platzverhältnisse auf dem Auchtert günstiger zu gestalten, er erhielt eine witterungsbeständige Umschrankung sowie an seiner Nordseite einen stabilen Ballfang.

1958 mußte leider der bittere Abstieg in die A-Klasse angetreten werden; in ihr spielt der Verein auch heute noch. Eine beachtenswerte Leistung dieses rührigen Vereins war die Erweiterung des Clubhauses sowie die Erstellung einer Flutlichtanlage, die das Training auch in den Herbst- und Wintermonaten ermöglicht.

Vorstände des Turnvereins v. 1896-1913:

Christian Widrnann, Kaufmann

Karl Knecht, Flaschner

Wilhelm Märkle

Jakob Müllerschön, Schreiner

Christian Nagel

Vorstände des Freien Arbeiter-Turn- und Sportvereins:

Christian Nagel

Adolf Knecht, Schlosser

Erwin Knecht

Christian Müller

Vorstände des Fußball-Club Mittelstadt e. V.:

1926-27 Friedrich Röhr

1928-29 Gotthold Wurster

1930-31 Otto Wurster

1931 Wilhelm Ziefle

1931-37 Adolf Mayer

1937-45 Erwin Röhm

1949-51 Otto Schrayshuhn (Sportverein Mittelstadt)

1951-59 Adolf Mayer

1959-65 Walter Röhm

1965 Willi Vöhringer

Der derzeit in der Gemeinde Mittelstadt alleinige sporttreibende Verein ist der »Fußball-Club Mittelstadt e. V.«. Diesem angeschlossen sind die Abteilungen Fußball (2. aktive, i AH und 3 Jugendmannschaften) Tischtennis Leichtathletik und Turnen

Dem Fußball-Club Mittelstadt e. V. gehören 320 Mitglieder an, darunter sind: 44 Ehrenmitglieder, 37 Jugendliche und Schüler (alle aktiv), 239 Mitglieder.

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