Land- und Forstwirtschaft

Die Markungsfläche Mittelstadts beträgt 649 ha. Sie setzt sich nach Bodennutzungs-art wie folgt zusammen:

Der Wald

Die Grundlage unseres Waldes bilden Eichen, Buchen und sonstige Laubhölzer. Bei wenigen Niederschlägen und einem verhältnismäßig warmen Klima gedeihen sie recht gut.

Die Gemeinde verfügt über einen gesunden Eichenbestand. Bei der augenblicklichen Marktlage können Fichten am besten verkauft werden. Da diese aber schon vor ihrer endgültigen Reife geschlagen werden müssen, ist eine verstärkte Anpflanzung unwirtschaftlich. Es wurde deshalb im Jahre 1964 angeregt, künftig hauptsächlich Douglasien anzubauen. Sie wachsen in unserem Klima recht gut und haben sich bis jetzt

bewährt. Auf lange Sicht gesehen, soll das Mischungsverhältnis der Waldbäume in den Gemeindewäldern wie folgt sein:

Douglasie 3o v. H. (bisher — )

Fichte 10 v. H. (bisher 35 v. H.)

Europ. Lärche/Forche 10 v. H. (bisher 7 v. H.)

Eiche 20 V. H. (bisher 27 V. H.)

Buche lo v. H. (bisher io v. H.)

Esche, Bergahorn 20 v. H. (bisher 21 V. H.)

Nach dem neuen Nutzungsplan beträgt der Hiebsatz 36o fm pro Jahr. 1964 wurden 410 fm geschlagen. Hierin sind aber 5o fm Holz enthalten, das infolge Borkenkäferbefalls zusätzlich anfiel.

Um die Abfuhr des Holzes zu erleichtern, müssen 45o m Waldwege neu gebaut und 1400 m befestigt werden.

Die landwirtschaftlichen Betriebe

Wir finden in Mittelstadt noch 109 landwirtschaftliche Betriebe. Ihre Mehrzahl gehört jedoch sogenannten »Arbeiterbauern«, die ihr »Gütle« nach Feierabend »umtreiben«. Nur noch 10 Höfe werden von hauptberuflichen Bauern bewirtschaftet. Sehr deutlich ist in der folgenden Tabelle die Abnahme der Zwergbetriebe und jener Bauernstellen zwischen 2-5 ha, der sogenannten »kritischen Betriebe«, festzustellen. Dieser Abnahme steht eine leichte Zunahme der verhältnismäßig existenzfähigen Höfe von 5 ha aufwärts gegenüber. Hierdurch werden hoffentlich auch bei uns günstigere Voraussetzungen für die dringend notwendige Flurbereinigung und den vermehrten Einsatz landwirtschaftlicher Maschinen geschaffen.

Bei der ersten Abstimmung über eine Flurbereinigung in Mittelstadt behielten um die Jahrhundertwende ihre Gegner die Oberhand; ebenfalls war in den Jahren 1912 und 1922 keine Mehrheit für diesen Plan zu gewinnen. Wir hoffen sehr im Interesse unserer Landwirtschaft, dass bei künftigen Abstimmungen die Vernunft siegen wird. 1962 wurde der bisher leider einzige Aussiedlerhof von der Mühle Röhm auf den Lachenäckern erbaut. Derzeitiger Pächter ist Landwirt Rönsch.

Aufstellung der Mittelstädter landwirtschaftlichen Betriebe nach Zahl und Größe:

Der Ackerbau

Die Dreifelderwirtschaft hat sich in Mittelstadt weitgehend bis auf den heutigen Tag erhalten. Zur rentableren Fruchtwechselwirtschaft, in der Halmfrüchte regelmäßig mit Blattfrüchten abwechseln, hat man sich bei uns noch nicht entschließen können. Das liegt nicht etwa an einer allzu konservativen Haltung unserer Bauern, sondern hat seinen Grund in den starken Viehbeständen, die entsprechend viel Kraftfutter und Stroh benötigen. Bei der Dreifelderwirtschaft wird eben zwei Drittel der Ackerfläche mit Getreide angebaut, während im Fruchtwechselwirtschaftssystem jeweils nur die Hälfte der Äcker mit Getreide bestellt wird.

Angebaut werden Winterweizen, Sommerweizen, Sommergerste und Hafer. Roggenfelder werden nur noch sehr selten angetroffen. Auch der früher bei uns übliche Dinkelanbau ist völlig zurückgegangen. Der Weizen hat ihn verdrängt, obwohl sich anscheinend kein anderes Mehl so gut für Weißbrot, »Flädle« und »Spätzle« eignete, wie das des Dinkels.

Unter den Früchten des Brachfeldes ist die Kartoffel am häufigsten vertreten. Sie nimmt in unserer Gegend etwa 10 % der Ackerfläche ein. Es werden sowohl Speise als auch Futterkartoffeln angebaut, die vor allem gerne zur Schweinemast verwendet werden.

Futterrüben finden sich ebenfalls häufig auf unseren Äckern. Sie sind als Saftfutter im Winterhalbjahr für das Rindvieh von hohem Wert. Im Durchschnitt werden ungefähr 4 Ar Futterrüben für ein Stück Großvieh gerechnet. Eine weitere große Bedeutung kommt dem Rotkleeanbau zu. Er liefert nicht nur ein eiweißreiches Futter, sondern reichert zudem den Boden mit Stickstoff an, so dass er sich besonders gut als Vorfrucht für den Winterweizen eignet. In den vergangenen Jahren kauften sich unsere Bauern mehr und mehr Maschinen — vor allem Traktoren — die eine wirtschaftlichere Arbeitsweise ermöglichen, so dass sie Zeit und Kraft sparen. Aber man sieht auch immer noch Pferdefuhrwerke und Kuhgespanne durchs Dorf trotten, Sinnbilder einer Zeit, die eigentlich schon längst vergangen sein sollte.

Viehhaltung und Milchwirtschaft

Die in Mittelstadt erzeugte Milch wird von den Bauern in der zentral gelegenen Milchsammelstelle abgeliefert und zu einem Teil auch dort verkauft. Der hiesigen Milchverwertungsgenossenschaft gehören 85 Mitglieder an, die zusammen 115 Geschäfts-anteile besitzen. Im Geschäftsjahr 1964 wurden 328 000 kg Milch angeliefert. Der durchschnittliche Fettgehalt betrug 3,97 v. H. Der Milchlieferant erhielt für einen Liter Milch 41 Pfennig. Dieser an sich hohe Preis

bei einem Verkaufspreis von 50 Pfennig je Liter kann nur deshalb gezahlt werden, weil die hiesige Milchverwertungsgenossenschaft 31 v. H. der Gesamtanlieferung der Milch im Ort selbst verkaufen kann und aus einem Ladengeschäft zusätzliche Einkünfte hat. Insgesamt wurden den Milchlieferanten im verflossenen Jahr 134 793 DM ausbezahlt. Der Gesamtumsatz der Genossenschaft belief sich auf 205 000 Dm. Die Milchverwertungsgenossenschaft wurde im Jahre 1934 von 78 Landwirten gegründet.

Die Milchsammelstelle befand sich bis 1952 im Hause des Jakob Schmid in der Kirchstraße. Nach dem Abbruch von 2 Häusern neben dem Rathaus konnte dann zusammen mit der Gemeinde, die dort ein Wohnhaus mit 5 Mietwohnungen erstellte, eine eigene Milchsammelstelle mit einem kleinen Laden gebaut werden. Während vor der Gründung der Genossenschaft die Trinkmilch im Ort trotz höherer Kuhzahl kaum ausreichte, musste in den nachfolgenden Jahren in steigendem Maße Milch an die Bezirksmilchverwaltung nach Reutlingen geliefert werden.

Vorstand bis 1957 war Albert Decker. Sein Nachfolger ist Josef Rönsch. Die Rechnergeschäfte besorgte bis 1957 Richard Bayer, anschließend übernahm sie die Spar- und Darlehenskasse.

Der »Grüne Plan«

Die deutsche Landwirtschaft befand sich nach der Währungsreform im Jahre 1948 in einer Notlage, die eine ernsthafte Hilfe des Staates erforderlich machte. Von der Bundesregierung wurde deshalb ein sogenannter Grüner Beirat gebildet, der jedes Jahr einen Grünen Bericht anzufertigen hatte, auf Grund dessen die deutsche Landwirtschaft staatliche Subventionen im Rahmen des Grünen Planes erhielt. Im Jahre 1964 beliefen sich diese Zuschüsse auf rund 2,5 Milliarden Mark für ungefähr 500000 hauptberufliche Landwirte. Im
Wesentlichen wurde dieses Geld zur Beseitigung der Strukturmängel unserer Landwirtschaft verwendet. Dazu gehören zersplitterte Felder, enge Dörfer und Hofräume, veraltete Wirtschaftsgebäude, mangelhafte Wegeverhältnisse, zu kleine Betriebe usw. Ein anderer Teil dieser Subventionen floss als Milchprämie, Treibstoffverbilligung, zinsverbilligte, langfristige Darlehen, Grunderwerbssteuerfreiheit u.a. den Bauern unmittelbar zu.

Daß diese finanzielle Stütze der Landwirtschaft nötig war, zeigt die Verbesserung des Einkommens der Landwirte von 8 Milliarden DM im Jahre 195o auf über 25 Milliarden DM im Jahre 1964, obwohl im gleichen Zeitraum die Zahl der Vollarbeitskräfte von 3,9 Millionen auf 2,25 Millionen zurückging. Das Arbeitseinkommen je Vollarbeitskraft war 1964 mit 5493 DM mehr als 17o v. H. größer als 1950 mit 2019 DM. Damit hat sich der Abstand zwischen dem Lohn der in der Landwirtschaft Tätigen und dem Einkommen vergleichbarer Berufsgruppen erneut verringert. Der relative Abstand ist mit 21 v. H. der bisher niedrigste seit Inkrafttreten des Grünen Planes.

Hauptstraße 38 und 36. Am Hause rechts im Bild ist noch eine der wenigen im Dorfe anzutreffenden Freitreppen zu sehen.

Man muss im Hinblick auf diese Zahl berücksichtigen, dass es landwirtschaftliche Betriebe gibt, die ausgezeichnet verdienen, hierzu gehören sicherlich die Aussiedlerhöfe mit zusammenhängender Blockflur in unmittelbarer Nähe des Betriebes. Andererseits hat die Mehrzahl unserer Landwirte noch mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, deren Ursache in beträchtlichen Strukturmängeln liegen, wie wir sie auch in unserem Dorf sehr gut beobachten können. Hierzu gehört in erster Linie die zeit- und kraftraubende, sinnlose Parzellierung der Ackerflur mit den weiten Anfahrtswegen; ferner erlauben die kleinen Ackerstücke weder einen intensiven Einsatz von modernen Maschinen noch gestatten sie die Einführung zeitgemäßer Fruchtwediselsysteme mit höheren Erträgen. Die Beengtheit des Wirtschaftsraumes im alten Dorfkern wäre als weiterer Grund zu nennen.

Schon bei der Verabschiedung der ersten Grünen Pläne wurden die Subventionen als Übergangs- und Anpassungshilfen angesehen. Da nach dem EWG-Vertrag landwirtschaftliche Subventionen auf die Dauer nicht gewährt werden dürfen, müssen wir uns damit abfinden, dass sie im Laufe der Zeit ganz wegfallen. Eine Beseitigung aller noch anstehenden Strukturmängel wäre daher jetzt dringend erforderlich. Aus dem grünen Plan wurde in Mittelstadt unter anderem der Hardtweg (6i 000 DM) und der Fröhlefelderweg (117 000 DM) gebaut. Der Bergsteig und andere Wege wurden einfach befestigt.

Die Milchprämie an die hiesigen Landwirte beträgt jährlich 24 000 DM (6 Pf. je Liter). Die EWG-Verträge erlauben die Fortzahlung dieser Milchsubventionen über das Jahr 197o hinaus im jetzigen Rahmen nicht mehr. In wieweit eine andere Regelung getroffen wird, ist noch nicht bestimmt.

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