Der Nationalsozialismus durchdringt das dörfliche Leben

1938: Mönchstraße (F. Flach)

1938: Mönchstraße (F. Flach)

Um 1933 zeichnete sich ein Ausweg aus der wirtschaftlichen Misere mit den vielen Arbeitslosen ab. den sich die Nationalsozialisten zuschrieben und propagandistisch verkauften. Der Boden für eine zunehmende Akzeptanz war bereitet, der Arbeitsmarkt eröffnete unerwartete gute Aussichten. Da wurde verdrängt, dass Bürger in einer Nacht und Nebelaktion abgeholt und auf den Heuberg gebracht wurden, sie kamen ja nach zwei Monaten wieder. Dass unliebsame Vereine und Organisationen, als dem Aufschwung im Wege, aufgelöst wurden. Das geschah auch in unserem Ort, die anfänglichen Wunden verheilten allmählich oder wurden wohlweislich still ertragen.

Im ganzen Reich wurde alles gleichgeschaltet. Bald hieß es auch nicht mehr "Grüß Gott" oder "Guten Tag-, zumindest auf dem Rathaus oder in der Schule _Heil Hitler mit erhobener Hand: je nach Überzeugung stramm gestreckt oder mehr oder weniger irgendwie angedeutet. Das ungeheuerliche Wesen des Regimes konnte man nicht erahnen und so nahm man es auch mit einer gewissen Heiterkeit zur Kenntnis. wenn plötzlich Personen ihrer alltäglichen Arbeit in Uniform mit Hakenkreuzbinde nachgingen, Goldfasane genannt, aber tunlichst hinter der Hand., denn die verstanden keinen Spaß. Bald konnte sich kein Haus mehr erlauben, bei diversen Anlässen ohne Hakenkreuzfahne geschmückt zu sein. (In der textilarmen Nachkriegszeit taugte das rote Fahnentuch wenigstens noch für Röcke der Volkstanzgruppe des Schwäbischen Albvereins). Uniformen waren aber bald ein alltägliches Bild. Sie wurden getragen, wenn man Dienst hatte, z. B. beim Jungvolk. stellvertretend für andere Gruppen hier aus der Erinnerung versucht anzuführen.

Mit zehn Jahren wurde man als Pimpf in den örtlichen Jungzug aufgenommen. Keine Familie konnte es sich leisten, ihren Jungen nicht dahin gehen zu lassen, zumal der Bub das in der Regel wollte. Da gab es einen Jungzug. Eine Untergliederung des Fähnleins, ein Riedericher Lehrer war ein Fähnleinführer. Oft bekam man beim Eintritt von den Eltern nicht gleich die korrekte Uniform: Braunes Hemd. schwarze Cordsamthose. Koppel mit Jungvolkabzeichen im Schloß. Schulterriemen, schwarzes Halstuch mit Lederknoten, winters schwarze Überfallhose. statt Schiffchen eine schwarze Schildmütze. dass die Eltern das nicht einsehen wollten. Nun durfte man exerzieren, man sah das ja bei den Soldaten, die hin und wieder zur Einquartierung kamen und Vorbilder waren. Im ..Dienst" wurde viel Sport getrieben. der Führer wünschte die Jugend „Hart wie Kruppstahl, schnell wie Windhunde und zäh wie Leder. Also legte man das Sportabzeichen ab. kämpfte bei den Reichsjugendspielen um eine Siegerurkunde. Bei Geländespielen hing das Leben an einem roten Wollfaden. Auch die ..Generalität- in Form des Jungbannführers kam zur Inspektion. Der Dienst umfasste auch Kartenlesen. mit dem Kompass umgehen. Geländeskizzen zeichnen. Tornister packen einschließlich den Teppich richtig eingerollt umschnallen. Feuerstellen anlegen, sogar mit dem Kleinkalibergewehr schießen. Alles fand seine Krönung in Zeltlagern. einmal weitab am Titisee. da konnte man sogar ..Feldpost" bekommen. So was hätten sich die meisten Familien nicht leisten können.

Mittwochs war regelmäßig Dienst. aber das Jungvolk beschäftigte die Buben darüber hinaus. die mit Eifer bei der Sache waren. wurden sie doch von oben wohlwollend anerkannt und unterstützt. War man dann z.B. beim Aufmarsch am Tag der Arbeit mit dabei. empfand man schon Stolz in der Kolonne hinter dem Jungvolkfanfarenzug.

So wurde die Jugend systematisch vom Nationalsozialismus vereinnahmt und begeistert. Über dem Jungvolk folgte die Hitlerjugend (Flieger HJ. Motorrad HJ. Marine HJ), die braune SA, die schwarze SS. die OG der NSDAP. die Arbeitsfront, Bauernverband usw. Beim weiblichen Geschlecht gab es die Jungmädel, den BDM. Frauenverbände. Die Jugend war fest im Griff. jedoch taumelte fast das ganze Volk mit, bestärkt durch die boomende Wirtschaft, die sportlichen Erfolge. die entstandene militärische Macht. die den Versailler Vertrag wegwischte.

Mahnende Stimmen waren brutal ausgemerzt und die Menschen hatten ja noch die Not der 20er Jahre vor Augen. Der 2. Weltkrieg brachte dann die grauenhafte Ernüchterung.

Quelle: unbekannt

Diese Website benutzt Cookies, um Ihnen das beste Erlebnis zu ermöglichen. Weiterführende Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.