Das Wasserfräulein von Mittelstadt

1965: Wasserfall am Merzenbachtal

Wasserfall am Merzenbachtal im Jahr 1965 (Quelle: Heimatbuch)

Am linken Ufer des Neckars, Mittelstadt gegenüber. Da wo der Schönbuch gegen den Fluss hin ausläuft, liegt der Hof Hammetweil, bei dem in alten Zeiten der nach ein Schloss stand. In der Nähe des Hofes sah man bisweilen zwei Meerfräulein im Neckar baden, auch hörte man sie manchmal singen. Des Nachts aber kamen sie oft in die Wohnungen der Menschen und halfen bei allerlei Arbeit. Besonders gern machten sie den Teig und buken Brot, wenn man des Abends zuvor Milch, Mehl und Salz bereitgestellt hatte.

Im nahen Walddorf nannte man sie Hochzeiterinnen, weil sie am Lande stets schneeweiß gekleidet gingen; auch sah man, wenn sie aus dem Wasser gestiegen waren, dass sie ganz klein von Gestalt waren wie Kinder. Und niemand durfte sie anreden, sonst kamen sie niemals wieder. Ihre eigentliche Wohnung, hieß es, sei jedoch der Wasserfall im Märzenbach, kurz ehe er in den Neckar geht. In der Weihnachtszeit hörte man sie beständig Windeln waschen. Oft gingen sie spazieren, aber nie weiter als bis zur Mittelstädter Brücke.

Nun wohnte in Mittelstadt ein Kelternknecht; mit dem traf eines der Meerfräulein auf dem Feld zusammen und unterhielt sich mit ihm. Du bist der einzige Mann, der fähig wäre, mich zu erlösen, du musst aber in den Keller des Schlosses zu Hammetweil kommen. Dort steht eine Truhe voller Gold und darauf sitzt ein Pudel und hütet es. Diesen musst du fassen und wegheben; du darfst dich dabei nicht fürchten, wenn er auch Feuer spiet, alsdann werden Schlangen und Eidechsen an dir hinaufkriechen und dir über die Schultern und wieder den Rücken hinabschlüpfen. Du brauchst dich nicht zu ängstigen, es geschieht dir dabei gewiss nichts, wenn ich doch es selbst bin, die dir in Gestalt dieser Tiere erscheint. Wenn Du alles aufhältst, so bin ich erlöst und der Schatz im Keller ist Dein Eigentum.

So sprach das Wasserweib oft zu dem Kelterknecht und begleitete ihn dabei stets bis an die Mittelstädter Brücke. Er konnte sich aber nicht dazu entschließen und antwortete immer nur: Gott helf dir, ich kann es nicht.

Als sie sah, dass ihr Bitten umsonst sei, jammerte sie und sparach: Jetzt muss ich noch 300 Jahre schweben. Un währenddessen entstand ein gewaltiger Sturm, der entsetzlich heulte. Damit verschwand sie für immer.

Quelle: Mittelstadt in Vergangenheit und Gegenwart mit Beiträgen von Fritz Flach, Dr. Artur Röhm, Gudrun Schrägle und Konrad Steinmaier

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